Der Winter 2025/26 ist in die Lawinenstatistik als außergewöhnlich tödliche Saison eingegangen. In diesem Beitrag fassen wir die wichtigsten Zahlen für Österreich zusammen, ordnen sie im europäischen Vergleich ein und leiten daraus ab, was Wintersportlerinnen und Wintersportler für die kommende Saison mitnehmen können.
Hinweis zum Stand: Die Angaben stammen aus Veröffentlichungen vom Februar bis April 2026. Je nach Quelle und Zählweise weichen die Endzahlen um wenige Fälle voneinander ab.
Die Bilanz im Überblick
Nach Angaben des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit (ÖKAS) waren es bereits Ende Februar 2026 26 Lawinentote in Österreich, deutlich mehr als das Zehn-Jahre-Mittel von 16 Todesopfern pro Winter. Im Laufe des März und April kamen weitere Fälle hinzu: Anfang April sprachen Medien von 30 Lawinentoten in Österreich, die europäische Zählung des Lawinenwarndienstverbunds EAWS wies mit Stand 10. April 2026 für Österreich 33 Todesopfer aus.
Zum Vergleich: Im Winter 2024/25 waren es in Österreich acht Lawinentote. Die Zahl hat sich also mehr als verdreifacht.
Die Lawinenzeit im Februar
Ein großer Teil der Todesfälle konzentrierte sich auf wenige Tage. Rund um den 15. bis 22. Februar 2026 kam es zu einer ausgeprägten Häufung von Unfällen, die Fachleute als Lawinenzeit bezeichnen. In diesem Zeitraum starben zwölf Menschen, neun davon in Tirol und zwei in Vorarlberg. Starke Schneefälle, eine angespannte Schneedecke und zugleich Schönwetterphasen, die viele Menschen ins freie Gelände lockten, kamen zusammen.
Wer war betroffen?
Die ÖKAS-Auswertung für die ersten 26 Todesfälle (Stand 25. Februar 2026) liefert ein detailliertes Bild:
- Geschlecht: 22 Männer und 4 Frauen
- Herkunft: 12 Personen aus Österreich, 14 aus dem Ausland
- Alter: Die Verstorbenen verteilten sich auf nahezu alle Altersgruppen, die meisten waren zwischen 31 und 40 Jahre alt (7 Personen), gefolgt von der Gruppe der 41- bis 50-Jährigen (5 Personen)
- Regionen: Tirol war mit 13 Todesopfern am stärksten betroffen, im Bundesland Salzburg starben im gesamten Winter acht Menschen
Auffällig: Von den 26 Verstorbenen trugen 8 kein Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS). Ohne LVS verlängert sich die Verschüttungszeit erheblich, und die Überlebenschance sinkt rasch.
Der europäische Vergleich
Auch europaweit war die Saison außergewöhnlich. Der Lawinenwarndienstverbund EAWS zählte Anfang April 135 Lawinentote, mit Stand 10. April 2026 waren es 143. Besonders betroffen waren Italien (rund 38 bis 40 Todesopfer), Frankreich (rund 31 bis 32) und Österreich (30 bis 33). Im Winter 2024/25 waren es europaweit noch 70 Todesopfer. Eine höhere Zahl als im Winter 2025/26 gab es im vergangenen Jahrzehnt nur in der Saison 2017/18 mit 147 Todesfällen.
Warum war der Winter so gefährlich?
Mehrere Faktoren spielten zusammen:
- Phasen mit hoher Lawinengefahr, in denen Neuschnee in kurzer Zeit große Lasten auf die Schneedecke brachte
- Ein ungünstiger Schneedeckenaufbau mit Altschneeproblemen, bei denen schwache Schichten tief in der Schneedecke liegen
- Schönwetterfenster direkt nach Schneefällen, die viele Menschen zu Touren und Variantenabfahrten verleiteten, obwohl die Gefahr hoch blieb
Diese Kombination ist aus Sicht von Lawinenfachleuten besonders heikel, weil die Verhältnisse im Gelände verlockend wirken, die Gefahr aber nicht sichtbar ist.
Was Wintersportler daraus mitnehmen können
Die Statistik ist kein Grund, auf den Winter in den Bergen zu verzichten, aber ein deutlicher Hinweis auf drei Grundsätze:
- Informieren: Lawinenlagebericht lesen und die Gefahrenstufe sowie die Gefahrenmuster ernst nehmen, besonders bei Altschneeproblemen.
- Ausrüsten: LVS, Schaufel und Sonde gehören bei jeder Tour abseits gesicherter Pisten dazu, und der Umgang damit sollte regelmäßig geübt werden.
- Entscheiden: Geländewahl und Gruppenentscheidungen an die aktuelle Lage anpassen. Wer unsicher ist, wählt flacheres Gelände oder bleibt auf der gesicherten Piste.
Ausblick auf die Saison 2026/27
Im Herbst 2026 beginnt bereits die nächste Wintersaison. Wie sie verlaufen wird, lässt sich nicht aus der Statistik ableiten: Ein Rekordwinter sagt nichts über den folgenden aus, da Schneelage, Wetter und Verhalten jedes Jahr neu zusammenspielen. Wer sich vor dem Start mit Ausrüstung, Lawinenkunde und Lagebericht beschäftigt, ist jedoch in jedem Fall besser vorbereitet.
Weiterführende Quellen
- Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit (ÖKAS): alpinesicherheit.at
- Deutscher Alpenverein, Bilanz der europäischen Lawinenwarndienste zum Winter 2025/26: alpenverein.de